Cloudbasierter Systemzwilling für softwaredefinierte Fahrzeuge
Siemens stellt mit PAVE360 Automotive eine vorintegrierte Plattform vor, die die Entwicklung, Integration und Validierung komplexer Fahrzeugsysteme in einem cloudbasierten digitalen Zwilling ermöglicht.
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Hintergrund und technischer Kontext
Die zunehmende Verzahnung von Hardware, Embedded Software und KI-basierten Funktionen in modernen Fahrzeugen erhöht den Aufwand für Systemintegration und Validierung erheblich. Insbesondere bei fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen (ADAS), autonomen Fahrfunktionen (AD) und In-Vehicle-Infotainment (IVI) stoßen klassische, sequenzielle Entwicklungsansätze an ihre Grenzen. Abhängigkeiten zwischen Steuergeräten, Software-Stacks und Fahrzeugarchitekturen lassen sich nur noch begrenzt mit isolierten Modellen oder späten Hardwaretests beherrschen.
PAVE360 Automotive adressiert diese Problematik mit einem digitalen Zwilling auf Systemebene, der reale Fahrzeughardware und -software virtuell abbildet. Dadurch können OEMs und Zulieferer bereits zu Beginn eines Projekts vollständige Fahrzeugsysteme integrieren und testen, ohne zunächst eigene, projektspezifische Simulationsumgebungen aufbauen zu müssen.
Technologischer Ansatz und Funktionsweise
Die Plattform ist als cloudbasierter, vorintegrierter digitaler Zwilling konzipiert. Sie erlaubt die parallele Entwicklung von Applikationssoftware und Low-Level-Software und bildet dabei komplette Fahrzeugarchitekturen inklusive Steuergeräte, Kommunikationsschnittstellen und Softwareabhängigkeiten ab. Nach Angaben von Siemens reduziert sich die Einrichtungszeit entsprechender Entwicklungsumgebungen dadurch von mehreren Monaten auf wenige Tage.
Ein zentrales Merkmal ist die Möglichkeit, virtuelle Modelle mit physischer Hardware zu koppeln. Software kann so nicht nur in Simulationen, sondern auch im Zusammenspiel mit realen Steuergeräten und Fahrzeugsystemen validiert werden. Dieser Ansatz unterstützt eine frühzeitige Verifikation unter realitätsnahen Bedingungen und erleichtert die Rückführung von Testergebnissen in den digitalen Zwilling.
Rolle von Arm-basierten Rechenplattformen
PAVE360 Automotive integriert aktuelle Automotive-IP von Arm, darunter die Zena Compute Subsystems. Diese Kombination erlaubt simulationsnahe Ausführungsgeschwindigkeiten, die sich an realer Zielhardware orientieren. Siemens gibt an, dass sich dadurch Entwicklungs- und Validierungszyklen für Software um bis zu zwei Jahre verkürzen lassen können, da Anpassungen und Iterationen deutlich früher im Entwicklungsprozess erfolgen.
Die Integration baut auf früheren gemeinsamen Projekten beider Unternehmen auf, bei denen virtuelle Umgebungen für automotive Arm-Architekturen schrittweise erweitert wurden. Mit der Einbindung in einen Systemzwilling wird dieser Ansatz nun auf komplette Fahrzeugplattformen ausgeweitet.
Anwendungsfelder und Nutzen
Der digitale Zwilling richtet sich an Hersteller und Zulieferer, die komplexe Fahrzeugfunktionen in einer digitalen Lieferkette entwickeln. Typische Einsatzszenarien sind:
- systemweite Integration von ADAS-, AD- und IVI-Funktionen,
- Validierung von Softwareständen vor Verfügbarkeit finaler Hardware,
- Skalierung und Anpassung von Fahrzeugarchitekturen durch Erweiterung um zusätzliche Modelle oder externe Hardware.
Durch die Vereinheitlichung der Entwicklungsumgebung können interdisziplinäre Teams parallel arbeiten, während Konsistenz und Rückverfolgbarkeit auf Systemebene erhalten bleiben.
Präsentation und Verfügbarkeit
PAVE360 Automotive wurde erstmals öffentlich vorgestellt und wird vom 6. bis 9. Januar 2026 auf der CES 2026 in Las Vegas live demonstriert. Die Lösung ist zunächst für ausgewählte Kunden verfügbar; eine allgemeine Verfügbarkeit ist ab Februar 2026 vorgesehen.
Mit dem Ansatz eines vorintegrierten, cloudbasierten Systemzwillings positioniert Siemens PAVE360 Automotive als technisches Werkzeug zur Bewältigung der steigenden Komplexität softwaredefinierter Fahrzeuge innerhalb eines vernetzten automobilen Entwicklungsökosystems.
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